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Personal/Hintergrund  

"Ohne Tischtennis kann ich nicht leben"

Marius Zaus vom Drittligisten Effeltrich spricht im Interview über die aktuelle Saison und die Bayerischen Meisterschaften

Marius Zaus bei der Bayerischen Meisterschaft 2017 in Aktion (Foto: N. Rack)

Er war schon Deutscher Jugendmeister im Doppel (2013 mit Kilian Ort), gehörte zur erweiterten deutschen Spitze im Nachwuchsbereich des DTTB. Heute - mit 21 - spielt Marius Zaus in der Dritten Bundesliga Süd. Mit seinem Verein, der DJK SpVgg Effeltrich, errang er in der vergangenen Saison die souveräne Regionalliga-Meisterschaft. Im Interview spricht der Informatik-Student aus Hummeltal in Oberfranken über die Drittliga-"Gambler" aus Effeltrich, die Chancen auf den Ligaerhalt, seine Ziele bei den 71. Bayerischen Meisterschaften am 20./21. Januar in Ingolstadt und die eigene Lust auf Tischtennis. "Ohne kann ich nicht leben", sagt er.

Marius, als Aufsteiger habt ihr sechs Punkte auf dem Konto, ihr seid - Stand jetzt - auf einem Nichtabstiegsplatz. Zufrieden damit?
Marius Zaus: Ja auf jeden Fall. Es hätten sogar noch ein paar mehr sein kennen. Ich denke nur an die zwei Unentschieden und vor allem an das Spiel gegen Mühlhausen am letzten Vorrundenspieltag, als wir 4:1 führten und 4:6 verloren.

Vor Saisonbeginn seid ihr die klaren Underdogs gewesen. Hast du die Liga so erwartet oder bist du überrascht, dass ihr so dasteht?
Zaus: Ich habe vorher schon gedacht, dass wir mithalten können. Dass es dann so gut klappt, hat mich aber schon überrascht. Unsere beiden slowakischen Spitzenspieler wussten nach dem Aufstieg, dass sie für die 3. Liga mehr machen müssen. Und sie haben auch mehr trainiert.

Worin liegen die größten Unterschiede zur Regionalliga?
Zaus: Am Anfang war es sehr ungewohnt, nur mit vier Leuten zu spielen. Vor meinem zweiten Einzel habe ich nach einem 5-Satz-Match zum Beispiel kaum Pause. Es geht direkt weiter. Das System macht auf jeden Fall Spaß, die Spiele dauern auch nicht ganz so lange. Jeder Punkt wird aber wichtiger. Wenn du nach den Doppeln schon 0:2 hinten liegst, wird es ganz schwer. Bitter war das Spiel beim Tabellenführer Neckarsulm in der Vorrunde. Zweieinhalb Stunden hin, 0:6 nach 90 Minuten, zweieinhalb Stunden zurück (lacht). Überhaupt: Neckarsulm macht das bislang schon sehr gut und souverän.

Was sind die Unterschiede im sportlichen Bereich?
Zaus: Man muss sagen, dass einfach viele Profis oder Halb-Profis in der 3. Bundesliga spielen, die trainieren den ganzen Tag oder mindestens einmal am Tag. Gerade auch bei den Teams, die Bundesliga-Reserve sind oder bei Spielern, die in Trainingsgruppen trainieren. Diese findet man oft von Position 1-3. Insgesamt sind die Spieler viel, viel stabiler, machen weniger Fehler, beim Eröffnungsball gibt es praktisch nie einen Fehler, Gegentopspin ebenso. Die Spieler schenken auch keine Partien ab, kämpfen um jeden Ball bis zum Umfallen. Es gibt kein Spiel, das man richtig sicher gewinnt. In der Regionalliga hatte man schon mal Spiele, die man relativ leicht gewonnen hat. Das gibt es in der 3. Liga gar nicht.

Ihr seid jetzt mit einem 1:6 gegen Neckarsulm in die Rückrunde gestartet, habt ohne Guman und Rattassep gespielt. Was war mit den beiden?
Zaus: Alex hatte sich kurzfristig erkältet und Guman hat mit einer Verletzung zu kämpfen, macht jetzt Physiotherapie, um in den wichtigen Partien voll da zu sein.

Was war für dich das Highlight der bisherigen Saison?
Zaus: Da muss ich das Heimspiel gegen Wohlbach (6:2 für Effeltrich, Anm. d. Red.) nennen. Wir hatten gegen Wohlbach in der Bayernliga und Regionalliga schon häufiger gespielt und nie gewonnen. Dass es dann vor der tollen Heim-Kulisse so gelaufen ist, war Wahnsinn. Das war sicher eines der besten Spiele in der Effeltricher Halle.

Halle ist ein gutes Stichwort. Ihr habt euren Heimspielort „Gamble Dome“ getauft. Wie kam es dazu?
Zaus: Wir nennen uns schon länger die „Gambler aus Effeltrich“, weil wir vor allem Spaß am Spiel, am Gamblen (Englisch für „zocken“), haben. Irgendwann wurde die Halle dann „Gamble Dome“ getauft und es hängt auch ein entsprechendes Plakat an der Wand. Das hat aber auch den Hintergrund, dass die Wand bei der Renovierung weiß gestrichen wurde und wir wegen Tischtennis etwas davorhängen mussten.

Du bist jetzt im neunten Jahr in Effeltrich. Was macht den Verein für dich aus?
Zaus: Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaften und die Unterstützung im Verein sind einfach super. Bei Spielen muss man sich um gar nichts kümmern. Der Vorstand macht einige richtig gute Arbeit. Erwähnen muss man unseren Manager Jürgen Weninger, der einen enorm hohen Aufwand betreibt. Auch innerhalb der Mannschaft passt es. Unsere beiden Slowaken sprechen Deutsch, trinken auch mal ein Bierchen mit den Zuschauern. Bei Auswärtsspielen haben wir schon im Bus viel Spaß.

Wie schätzt du die Chancen für den Klassenerhalt ein?
Zaus: Ich bin optimistisch, gerade wenn wir die Leistung aus der Hinrunde bestätigen und uns noch ein bisschen steigern. Alex hat leider noch kein Spiel gewonnen. Wenn bei ihm der Knoten platzt, dann ist noch mehr möglich.

Wie schwer würde ein Abstieg wiegen?
Zaus: Ein Abstieg ist immer ein Dämpfer. Wir hoffen schon, dass wir drin bleiben, hatten den Klassenerhalt auch als Saisonziel ausgegeben. Dritte Liga hört sich auch besser an als Regionalliga. Wir merken, dass dadurch auch Zuschauer von weiter weg kommen. Ich denke, wir haben eine ordentliche Ausgangsposition.

Bist du mit deiner eigenen Leistung zufrieden?
Zaus: Ja definitiv. Ich wollte ausgeglichen spielen, nach der Vorrunde stand ich 7:6, habe aber auch zweimal im vorderen Paarkreuz gespielt.

Wie häufig trainierst du selbst noch?
Zaus: Zwei- bis dreimal pro Woche fahre ich die 50 Kilometer einfach nach Effeltrich zum Training. Darüber hinaus bin ich für den BTTV noch als Trainer tätig und gebe auch ein paar Einzelstunden, wodurch ich auch selbst gefordert bin.

Vor einigen Jahren warst du im Nachwuchsbereich in der erweiterten deutschen Spitze zu finden, wurdest unter anderem Dritter beim DTTB Top 12 der U15. Hättest du im Nachhinein gerne noch mehr erreicht? 
Zaus: Ich hatte seinerzeit schon das Ziel, Profi zu werden, bin nach Kolbermoor in das Internat des BTTV gegangen, war fünf Jahre lang im Kader des DTTB, zwei Jahre im D/C-Kader, drei Jahre im C-Kader. Im meinem ersten Jugendjahr bin ich überraschend Dritter beim Top 48 geworden, leider habe ich es nicht zu einer EM geschafft. Im letzten Jugendjahr kam dann ein Brief, dass ich nicht mehr dem Kader angehöre. Da war ich zunächst down. Ich habe dann mein Abi gemacht und angefangen zu studieren. Mittlerweile habe ich wieder total Lust auf Tischtennis. Ohne Tischtennis könnte ich nicht leben. Ich versuche auch, jedes Training mitzunehmen, das geht.

Kommen wir zu den Bayerischen Meisterschaften am nächsten Wochenende in Ingolstadt. Du bist an Position vier gesetzt. Was sind deine Ziele?
Zaus: Bei den Bayerischen habe ich mich immer relativ schwer getan, habe häufig in der Vorrunde nur 2:1 gespielt und bin dann gegen einen Topgesetzten gekommen. Mein Ziel ist, im Einzel ins Halbfinale zu kommen. Im Doppel bin ich mit Dennis Dickhardt topgesetzt. Da würde ich gerne gewinnen.

Du warst zweimal bei den Deutschen Meisterschaften dabei. Sehen wir dich auch ein drittes Mal dort?
Zaus: Das ist schon noch mal ein Ziel, bei der DM dabei zu sein. Es ist ein Topevent und es macht auch Spaß, gegen noch höherklassige Spieler vielleicht eine Überraschung zu schaffen. Auf die DM 2013 werde ich noch ab und zu angesprochen (lacht). Damals habe ich aufgrund mehrerer Umstände das Einzel-Achtelfinale erreicht – ohne überhaupt ein Spiel gewonnen zu haben.

Marius, vielen Dank für das Gespräch!

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